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09.03.2012 um 15:19

Joseph Kony: Kann man einen Massenmörder über Facebook finden?

Kategorien: TV & Film

„Joseph Kony 2012“, so heißt der Film über den Rebellenführer Joseph Kony, der Hunderttausende Menschen getötet, misshandelt und versklavt hat. Inzwischen wurde der 30-minütige Film von Jason Russell im Internet über 53 Mio. mal angeklickt und hat sich somit zum größten viralen Erfolg des Internetzeitalters entwickelt.

Bilder von Uganda und misshandelten Kindern, schwere Musik, langsame Schnitte und viele Einstellungen in Zeitlupe. Der Film Kony 2012 erzählt die grausame Geschichte von Hunderttausenden misshandelten und getöteten Menschen und den Verbrechern dahinter: Die ugandische Rebellenarmee Lord’s Restistence Army (LRA). Führer der selbsternannten „Widerstandsarmee des Herren“ ist Joseph Kony, der seit Jahrzehnten im Namen der zehn Gebote mordet, Mädchen zu Sexsklaven und Jungen zu Soldaten macht. Mittelpunkt des Films ist ein Junge namens Jacob, der von der Rebellenarmee eingesperrt ist und bei der Ermordung seines Bruder zusehen musste. Der Regisseur des Films und Gründer der Organisation „Invisible Children“ Jason Russell, lernte Jacob vor über zehn Jahren auf einer Reise nach Uganda kennen und entschied, gegen Joseph Kony und seine Rebellenarmee anzukämpfen. Er drehte den Film Kony 2012 und veröffentliche ihn auf mehreren Videoplattformen im Internet. Selten hat sich ein Film über das Internet so schnell verbreitet.

Joseph Kony: Ein Rebellenführer auf der Flucht

Die Organisation „Invisible Children“ wurde auf Facebook binnen 48 Stunden Millionenfach „geliked“ und hat inzwischen Millionen von Anhängern. Gemeinsam kämpfen die Mitglieder gegen Kony und die Rebellenarmee. Der Film Kony 2012 hat sich viral ausgebreitet, wie kein Video zuvor. Die Zahl der Anhänger steigt von Tag zu Tag. Doch ist es möglich einen Massenmörder wie Joseph Kony über das Internet zu finden? Haben Facebook und Co. genug Kraft, eine ganze Welt zu bewegen und dafür zu sorgen, dass ein Verbrecher die gerechte Strafe für sein Handeln bekommt? Trotz der knapp 54 Millionen Videoaufrufe und den vielen Anhängern von „Invisible Children“ kommt auch Kritik an dem Film und der Vorgehensweise der Organisation auf. Das Fachblatt für Weltpolitik „Foreign Affairs“ hat erst gerade die Vorgehensweise von Non-Profit Organisationen wie „Invisible Children“ überprüft. Das Fazit ist, dass solche Organisationen Tatsachen für eigene Zwecke manipulieren und die Verbrechen überhöhen könnten, wie denen durch die LRA. Die Organisation betone die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten derart, dass Männer wie Joseph Kony zu einem Unikum des Bösen stilisiert würden. Etwas Wahres ist an solchen Aussagen durchaus dran, denn Joseph Kony ist nur EIN Mörder, Vergewaltiger und Diktator in Zentralafrika. Es werden jeden Tag haufenweise solcher Verbrechen begangen, die nicht so viel Aufmerksamkeit, wie die von Joseph Kony bekommen.

Gegen Joseph Kony: Ein Zeichen setzen und die Welt verbessern

Die Welt verbessern wollen Jason Russell und seine Organisation „Invisible Children“. Der Film soll einen Massenmörder finden, ihn stoppen und damit einen ganzen Kontinent retten. Zu Beginn des Films erscheint ein Zitat von Victor Hugo: “Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist”. Kony 2012 ist längst mehr als nur eine Idee, denn die ganze Welt kämpft gegen den Rebellenführer und seine Armee des Herrn. Die ursprüngliche Idee, Menschen durch das Internet und die social Networks auf die Situation in Uganda aufmerksam zu machen, ist lobenswert und ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch man darf all die anderen Probleme in der Welt und die vielen weiteren Massenmörder, Vergewaltiger und Untergrundrebellen in Afrika nicht vergessen. Joseph Kony entwickelt sich langsam zu einem Hitler-ähnlichen Feindbild und wird von Millionen von Menschen gejagt. Doch schon seit Jahren besteht ein internationaler Haftbefehl für Joseph Kony – er wurde bis heute nicht aufgespürt. Kony 2012 wird noch mehr Anhänger gewinnen und mehr Menschen dazu bewegen, für Gerechtigkeit zu kämpfen. Es wird sich noch zeigen, wie stark die Plattformen Facebook und Co. sein können. Momentan sind sie ein Bindeglied zwischen Millionen von hilfsbereiten Menschen.

Autor: lina
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